G-Star Raw: Ein Jeans-Label wird erwachsen

Unter den großen Denim-Streetwear-Marken nimmt G-Star zweifelsohne eine Sonderstellung ein. Als Jeans-Marke erlebte G-Star bereits sämtliche Höhen und Tiefen des Modegeschäfts: Extrem geliebt, extrem verabscheut, geschätzt und irgendwann akzeptiert. Ganz nebenbei handelt es sich allen Schmähungen zum Trotz um eine der erfolgreichsten Streetwear-Brands Europas. Dies liegt nicht zuletzt an den Innovationen auf dem Denim-Sektor, welche maßgeblich von der als „Gapstar“ gegründeten Marke ausgegangen sind. Wie ein einzelnes Label eine ganze Jeans-Generation beeinflusste.

Die Marke Gapstar wurde 1989 von dem Niederländer Jos van Tilburg ins Leben gerufen. Um markenrechtlichen Problemen mit dem populären Label „Gap“ aus dem Weg zu gehen, wurde sie jedoch schon bald in G-Star Raw umbenannt. Der Run auf die Marke ließ nicht lange auf sich warten. Nachdem sich van Tilburgs Label auf dem Markt einige Jahre etablieren konnte, platzte Ende der 90er Jahre die Bombe: Jeder, der etwas auf sich hielt, folgte dem Trend und trug eine der heißbegehrten G-Star Elwood-Jeans.

Das Modell Elwood schockierte die Denim-Welt mit einer so noch nie dagewesen Form. Einerseits handelte es sich hier nicht um den in dieser Zeit angesagten Baggy-Schnitt, andererseits hatten wir es hier aber auch nicht mit einem traditionellen Schnitt a la 501 zu tun. Die Elwood war irgendetwas zwischen diesen beiden Extremen. Bis dato unbekannt, aber extrem interessant für die Modejunkies. Die zusätzlichen Nähte rund um die Knie verliehen der Jeans ihren speziellen Touch. Dieses einfache, wie kreative Rezept katapultierte G-Star direkt in die Oberliga der Denim-Produzenten.
G-Star Raw: Ein Jeans-Label wird erwachsen
Doch damit nicht genug – auch für Frauen wurde G-Star zunehmend interessant. Zwar hatte das Label hier nicht eine Vorreiterstellung, wie bei der Männermode durch die Elwood, allerdings adaptierte man gängige Trends von Röhre bis Schlaghose perfekt, passte sich dem Markt an und glänzte mit sauberer Verarbeitung und interessanten Waschungen. So weit, so gut. G-Star war als Label eine Institution im Denim-Markt geworden, lief aber in Gefahr, ohne neue Innovationen auf der Stelle zu treten. Schließlich ist auch der größte Hype irgendwann mal aufgebraucht und auch die Elwood hatte ihren Zenit Mitte der 2000er Jahre irgendwann überschritten.

Doch wer das Label an diesem Punkt schon abschreiben wollte, sollte eines Besseren belehrt werden. Der neue „Arc“-Cut brachte schließlich die Wende. Er sorgte für einen völlig neuen Flavor im G-Star-Sortiment und löste so eine weitere kleine Jeans-Revolution aus. Der Look, der auch als „Bananen-Schnitt“ bekannt ist, lässt die Jeans im Hüftbereich ein bisschen weiter ausfallen. Sie sitzt so etwas tiefer am Schritt und ist im Gegensatz zu Skinnys oder Slimfits nicht eng anliegend. An den Beinen ist sie jedoch dezent schmaler, als die bekannten „lose“-Fitted, wodurch sie herrlich ausgebeult und fast schon verbogen wirkt. Die verdrehten Nähte an den Seiten der Hosenbeine tun ihr Übriges. Man sieht, „Arc“ (Bogen) oder „Banane“ sind durchaus passende Bezeichnungen für diesen ausgefallenen Cut.

Zugegeben, G-Star war nicht unbedingt die erste Marke, die sich des neuartigen Schnittes angenommen hat. Gleichwohl war sie aber eine der ersten, die dem noch unbekannten Style eine große Bühne gegeben und ihn populär gemacht hat. Der Bananen-Schnitt der Arc Jeans ist so unverwechselbar wie gutaussehend und beweist, dass G-Star seinen Status als eine DER großen Denim-Brands nach wie vor mit einiger Berechtigung innehat.

Was man künftig von G-Star zu erwarten hat? Die Style-Kristallkugel strahlt verheißungsvoll: Diese Marke ist nach wie vor einer der großen Fische im Denim-Haifischbecken. Mit den letzten Kollektionen und speziell den Arc Jeans haben die Designer von G-Star bewiesen, dass sie sich nach ihrem ersten Hype von vor zehn Jahren zu einem erwachsenen, ernstzunehmenden Jeanslabel entwickelt haben. Man kann daher nur gespannt sein, wie die Geschichte des niederländischen Modehauses weitergeht. Die eine oder andere Innovationen sollte auf jeden Fall noch drin sein, oder?

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